Erste Wachstumsperiode liefert wertvolle Hinweise

wueste_gras21.09.2009 - Erste Wachstumsperiode liefert wertvolle Hinweise

Stichworte: Desertifikation, Erosion, China, Vegetationszonen, Windschutzpflanzen, DripStick

Die Ressource Wasser ist in China ein knappes Gut. Die fortschreitende Desertifikation bedroht durch Erosion den fruchtbaren Ackerboden und damit die Existenzgrundlage der Landbevölkerung. Bereits heute sind über 30% der gesamten chinesischen Landfläche als Wüste einzustufen. Die Übernutzung von Boden- und Wasserressourcen sowie die Zerstörung der natürlichen Vegetation beschleunigen diese Entwicklung zusätzlich. Die Einrichtung grüner Vegetationszonen entlang der Wüstenränder sind ein wichtiges Mittel, um die Abtragung fruchtbaren Ackerlandes durch sowie die Verdunstungsintensität zu minimieren. Gemeinsam entwickeln das Bremer Unternehmen WATERMAN, das ttz Bremerhaven und das Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen ein Konzept zur nachhaltigen Etablierung von Windschutzpflanzen in desertifikationsgefährdeten Regionen. Erste Testreihen auf dem Gelände der Testfläche des Chinesischen Forstwissenschaftlichen Instituts in der inneren Mongolei bescheinigen dem Bewässerungssystem DripStick Frostbeständigkeit und Wüstentauglichkeit. Bodenzuschlagsmaterialien und Substratmischungen zeigen bereits in der Keimphase große Unterschiede.

Bremerhaven/Hohhot. Mit einem kombinierten Bewässerungs-, Vegetations- und Bodenmanagement wollen die Projektpartner den Landbau in einer wüstengefährdeten Region der Mongolei sicherstellen. Ausschlaggebend für den Erfolg ist dabei die Auswahl, Kombination und Anordnung regionaler Pflanzen in den Vegetationsgürteln, das Verdunstung-entgegenwirkende Bewässerungssystem DripStick sowie das ReviTec®- Verfahren zur Entwicklung eines geeigneten Substrats. Erste Testreihen haben gezeigt, dass das Material des DripSticks Sandabrieb und Salzverkrustungen sowie extremen Frostperioden im Winter stand hält. Erste Designverbesserungen und eine optimierte Wasserversorgung sollen die Wachstumsbedingungen weiter verbessern.

Große Unterschiede bereits in der Keimphase

Das ausgebrachte Substrat und die ReviTec®-Erosionsschutzsäcke bestanden ihren Härtetest während eines Sandsturms. In einer halbmondförmigen Formation aus substratbefüllten, eingesäten Säcken wirkte die Front als Erosionshinderniss. Nicht eingearbeitetes Substrat wurde nach kurzer Zeit abgetragen. Ein Vergleichstest mit 30 verschiedenen Bodenzuschlagsmaterialien und Substratmischungen zeigt schon in der Keimphase große Unterschiede in der Keimungsrate. Generell wurde festgestellt, dass die benötigten Materialien für Substrate und Erosionsschutzsäcke in China in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Ihre Beschaffung erfordert jedoch eine bestimmte Vorlaufzeit für Materialauswahl und Transport.

Wüstennutzflächen eröffnen Spielraum

Der Anwuchserfolg der Windschutzstreifen war durchschnittlich für diese Regionen: Vier Monate nach der Anpflanzung wurden rund 10 bis 20 Prozent Ausfall pro Treatment ermittelt. Welchen Einfluss bestimmte Maßnahmen dabei hatten, wird sich erst im weiteren Verlauf der Untersuchungen beziffern lassen. Es deutet sich bereits an, dass der limitierende Faktor für den Einsatz von ReviTec®-Substraten und -Erosionsschutzsäcken der Erstellungsaufwand und die Kosten sind. Diese liegen derzeit noch weit über den in China üblichen Mitteln für Wüstenfestlegungen von rund 100€/ha. Durch geeignete Maschinen können hier gegebenenfalls noch Verfahrensverbesserungen und Aufwandsreduzierungen realisiert werden. Zukunftspotenziale für ReviTec® und die Auswahl der Pflanzen für Windschutzstreifen liegen daher zunächst weniger in der reinen Wüstenbegrünung, sondern vielmehr in der Anlage von Wüstennutzflächen. Dort könnten angepasste Nutzpflanzen angebaut werden, die einen wirtschaftlichen Nutzen erwirtschaften und somit die Aufwendungen ausgleichen und lokale Wertschöpfungskreisläufe für die Landbevölkerung fördern.

Dünger aus dem Wasserspender

Neben der Fortführung der Pflanzen-, Boden- und Erosionsschutzüberwachung ist außerdem noch die Einrichtung einer Fertilisationsanlage geplant. Damit sollen drei lokal erhältliche wasserlösliche Trockendünger über den Versuchszeitraum getestet werden, um die Funktionstüchtigkeit der Wasserspender unter Beimengung der Fertilisationslösung zu prüfen. Dabei soll sich herausstellen, ob die Beimischung einer Fertilisationslösung das Leitungssystem und die DripSticks beeinträchtigt und Flüssigdüngung signifikante Effekte im Bezug auf Wachstum und Erträge aufweist. In der nächsten Phase des Projektes werden dann Nutzpflanzen evaluiert, um geeignete Arten zu identifizieren, die einen Koppelnutzen zwischen Erosions- bzw Desertifikationsschutz und nachhaltiger lokaler Landwirtschaft ermöglichen. Das Methodenwissen, das die Projektpartner auf dem Testgelände des Chinesischen Forstwissenschaftlichen Instituts entwickeln, wird begleitend an die lokale Bevölkerung weitergegeben. So sollen vielversprechende Maßnahmen schnell in der Region Fuß fassen können und der Landbevölkerung eine Lebensgrundlage sichern.

 

Mehr Informationen können Sie auch der DesertDrip Projektbeschreibung entnehmen.

 


Pressebilder zur redaktionellen Nutzung (foto: ttz/pr)

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Bereits die erste Wachstumsperiode zeigt erste Erfolge und liefert wertvolle Hinweise.

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Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Gesundheit und Beratung.

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