Alzheimerprävention mit den Kräften der Natur

black_currant_klFebruar 2009

Stichworte: Alzheimer, schwarze Johannisbeere, BrainHealthFood, Bremerhaven

Die Diagnose Alzheimer lässt die Welt auf einen engen Raum ohne logi-sche Ordnung zusammenschrumpfen. Sie macht eine Vollpflege durch Fachpersonal erforderlich - ein Kostenfaktor, der angesichts der demog-raphischen Entwicklung unserer Gesellschaft das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringt. Eine gesunde Ernährung kann langfristig einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten. Eine besondere Rolle spielen dabei Nahrungsmittel mit neuroprotektiver Wirkung, zum Beispiel die schwarze Johannisbeere. Die wirksamen Antioxidantien der Frucht sind auch in Pressrückständen aus der Saftproduktion enthalten. Ein kosten-günstiges Rohmaterial für die Produktentwicklung - sofern ein effizientes Rückgewinnungsverfahren gefunden wird und die Verarbeitung zu attraktiven Endprodukten erfolgt. Im Rahmen des EU-Projektes „BrainHealthFood“ wollen sich Forscher vom ttz Bremerhaven zusammen mit acht Partnern dieser Aufgabe stellen.

Bremerhaven, Februar 2009. Die Demenzerkrankung ist derzeit die häufigste altersbedingte neurodegenerative Störung - mehr als 10 Prozent der über 65-Jährigen sind betroffen. Die Diagnose bedeutet den Verlust der Selbstbestimmtheit. Eine 24-Stunden-Betreuung wird zwingend erforderlich und bürdet dem Ge-sundheitssystem immense Kosten auf. In den USA werden die Kosten für Pflege und medikamentöse Behandlung von Alzheimerpatienten auf mehr als 100 Milliar-den Dollar geschätzt. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts von 2006 leiden in Deutschland rund 700.000 Menschen an Alzheimer-Demenz. Angesichts der demographischen Entwicklung - besonders über 65-Jährige sind von der Krankheit betroffen - wird die Finanzierungsfrage zum gesellschaftlichen Zündstoff. Für das Jahr 2050 wird eine Zahl von 2,6 Millionen Alzheimerpatienten in Deutschland prognostiziert . Das entspricht einem mittleren Anstieg der Patientenzahlen um 35.000 pro Jahr.

Obwohl die Wirkungsweisen der Demenzerkrankung noch nicht vollständig erforscht sind, sprechen viele Anzeichen für eine starke oxidative Belastung der Gehirnregion. Auslöser dafür sind lipide Peroxidationen, die Bildung freier Radikaler und amyloider Betaproteine. Aktuelle epidemiologische Ergebnisse legen nahe, dass eine vielseitige, phenolreiche Ernährung das Risiko einer Demenzerkrankung verringern kann. Der regelmäßige Genuss von Nahrungsmitteln mit neuroprotektiver Wirkung kann mittel- bis langfristig das Gesundheitssystem entlasten.

Derzeit gibt es kein Produkt auf Basis schwarzer Johannisbeeren im Functional Food-Sortiment. Um diese Lücke kostengünstig zu schließen, sollen Reststoffe der Saftproduktion als Rohstoff dienen. Diese sind bereits zu einem Tonnenpreis von 300 bis 500 Euro erhältlich - ein Siebtel des Preises für alternative Rohstoffquellen. Die Ermittlung wirtschaftlicher Methoden für die Rückgewinnung bioaktiver Wirkstoffe wird das ttz Bremerhaven leisten. „Jeder Rohstoff stellt spezifische Bedingungen an die Extraktion. Wir werden im Frühjahr Testreihen starten, um das beste Verfahren für die schwarze Johannisbeere zu ermitteln. Dafür sind sowohl die Qualität des Endproduktes und ihre Lagerstabilität, aber auch der Zeit- und Energieaufwand der Methode entscheidend, “ erklärt Projektleiterin Marie Shrestha vom ttz Bremerhaven.

Neben der Untersuchung der Inhaltsstoffe, ihrer Qualität und der gesundheitsför-dernden Wirkung leisten die Projektpartner Schützenhilfe bei der Produktentwicklung und Vermarktung. Dieses Know-how über die Verarbeitung bioaktiver Inhaltsstoffe der schwarzen Johannisbeere zu Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Non-Food-Produkten wird an kleine und mittelständische Unternehmen weitergege-ben. Bei den glänzenden Wachstumsperspektiven des Marktes für diese „Nutriceuticals“ (nutrient + pharmaceutical, ein Nährstoff mit pharmazeutischer Wir-kung) können sie ihre Position im globalen Wettbewerb stärken. Die finnische Universität Kuopio wird als Vorstudie einen Test mit 20 Probanden durchführen und außerdem die Auswirkung der Substanzen auf isolierte Zellkulturen untersuchen.

Die Beerenproduzenten werden durch die Platzierung attraktiver Produkte eine Nachfragebelebung für Erzeugnisse aus Europa erfahren und Importprodukten vermehrt ersetzen können. Diese Entwicklung stärkt ländliche Anbauregionen durch die Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten. Durch die Verwertung von Reststoffen werden zudem Kosten für Abtransport und Abfallmanagement eingespart. Die Europäische Union fördert das Projekt „Brainhealthfood“ mit  870.000 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren.

 

Weitere verwandte Themen am ttz Bremerhaven sind:

 


Pressebilder zur redaktionellen Nutzung (foto: ttz/pr)

black_currant_kl

Bildunterschrift:

Kleine Beere mit großem Potential: Die antioxidative Wirkung der schwarze Johannisbeere kann Alzheimererkrankungen entgegenwirken. Forscher des ttz Bremerhaven entwickeln Produkte mit diesem Inhaltsstoff.

Download mit rechter Maustaste: "Ziel speichern unter..."


Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Gesundheit und Beratung.