Treibstoff für Übermorgen

nanogirl head27.10.2009

Stichworte: Bioreaktoren, Energie, Mobilität

Wissensreporter haben eine Mission: Fragen auf den Grund zu gehen. Das Team der Wissenschaftssendung nano öffnet ihnen dafür in der Zuschaueraktion „Ich bin nano“ die Türen zu Laboren, Testcentern, Archiven und Unternehmen. Judith Hummel, BWL-Studentin aus Bremerhaven, hat sich mit ihrem Bewerbungsvideo bei der Zuschaueraktion gegen 300 Mitbewerber durchgesetzt. Zweieinhalb Tage begleitete sie das Drehteam an Orte, an denen sich Antworten für ihre eingereichte Frage finden lassen: Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Schauplätze für die Recherche waren die Universität Duisburg und das ttz Bremerhaven.

Bremerhaven, Oktober 2009.
Montageanzug trifft Laborkittel: Die braunen Anzüge, mit denen das fünfköpfige Drehteam und Zuschauerkandidaten Judith Hummel ausgestattet waren, signalisierten den Wissenschaftlern des ttz-Bereiches Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement bereits deutlich: Wir möchten praktisch und hautnah erfahren, wie sich der Treibstoff der Zukunft produzieren lässt:  Auf Leitern steigen, um einen Blick in brodelnde Reaktoren zu erhaschen, mit Substraten experimentieren und ein Spielzeugauto mit Wasserstoff betanken. Für die Studentin aus Bremerhaven war es der erste Fernsehauftritt. Ausgerüstet mit einer Kopfkamera können die Zuschauer ihren Blicken folgen und ihre Entdeckungen teilen. „Wie wir in Zukunft mobil sein können, ohne die Umwelt dabei zu belasten, interessiert mich einfach. Ich bin jetzt fast mit dem Studium fertig und werde mich bald nach dem ersten eigenen Auto umschauen“, berichtet Judith Hummel.

Dass eine Tankfüllung in der Zukunft auch einmal aus Gras oder Algen hergestellt werden könnte, fasziniert sie - und mit ihr sicher viele Zuschauer, war sich die nano-Redaktion sicher. Die erste Station im ttz war eine Zuchtanlage für die Algenart Spirulina platensis. Die schnelle Vermehrung von Mikroalgen - optimale Bedingungen vorausgesetzt - machen sie zu einer interessanten Biomassequelle. Algen setzen Nährstoffe und CO2 aufgrund ihrer großen Oberfläche deutlich schneller um als Blattpflanzen und sind daher bis zu 50-mal produktiver bei der Biomasseerzeugung. Da Mikroalgen auch CO2 aus Kraftwerken verwerten können, haben sie bereits vor ihrer Verbrennung einen Nutzen.

Lösungen für Treibstoff aus nachwachsenden Ressourcen sind auch an Land zu finden. Bioethanol kann aus verschiedensten Substraten gewonnen werden. Die Vielzahl der Möglichkeiten beeindruckte Judith Hummel: „Holzreste, Stroh, Schilf, Maissilage und Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion - sogar Schaumküsse eignen sich“, fand die 25-Jährige heraus. In dem kürzlich abgeschlossenen Projekt Ethaferm, das vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa aus dem Ökologiefonds/Förderprogramm Angewandte Umweltforschung und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung 2007-2013  gefördert wurde, setzte das ttz Bremerhaven spezielle Membranfilter für eine höhere Ressourceneffizienz bei der Bioethanolproduktion ein. „Durch die Rückführung konzentrierter Reststoffe stellen wir sicher, dass keine Ressourcen verschenkt werden und der Produzent bei der Verwertung regionaler Materialien einen wettbewerbsfähigen Preis erzielen kann“, erklärt Dr. Gerhard Schories, Technischer Leiter Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement. Einige Ethanoltankstellen gibt es auch in Norddeutschland bereits.

Im Labor wurde Judith Hummel dann zur Biogasproduzentin. Durch die Zugabe eines Enzyms setzte sie eine Reaktion in Gang, die aus Gülle und Maissilage Gas entstehen ließ. Durch einen Schlauch wurde es in farbig eingefärbtes Wasser eingeleitet. Das dabei verdrängte Wasser zeigt an, welches Volumen an Biogas entstanden war. Am Tag zuvor hatte die Wissensreporterin an der Universität Duisburg in einem Fahrsimulator verschiedene Antriebstypen getestet. Welches Auto es nun werden soll, steht aber nach den erlebnisreichen Tagen noch nicht fest. „Die alternativen Antriebskonzepte scheinen noch nicht ausgereift. Am weitesten ist wohl der Einsatz von Ethanol. Ansonsten kann man die Umwelt ja auch schonen, indem man nur unvermeidliche Fahrten mit dem Auto macht und sonst das Fahrrad nimmt“, so Hummel.

Der Fernsehbeitrag wird voraussichtlich am 2. Dezember um 18.30 Uhr in 3sat ausgestrahlt.

1/Die Förderung erfolgte durch das Land Bremen aus dem Ökologiefonds/Förderprogramm Angewandte Umweltforschung und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung 2007-2013. EUROPÄISCHE UNION: Investition in Ihre Zukunft – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung.


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Pressebilder zur redaktionellen Nutzung (foto: ttz/pr)

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Bildunterschrift: Neugier öffnet Türen: Studentin Judith Hummel wurde unter 300 Einsendern als „nano-Wissensreporterin“ ausgewählt.

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Bildunterschrift: Pack die Alge in den Tank: Judith Hummel und SWR-Mitarbeiter Axel Wagner erfahren von Dr. Gerhard Schories (2. Von re.) und Günther Schumacher (1. von re.), wie aus Biomasse Treibstoff gewonnen werden kann.

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Bildunterschrift: Unter Anleitung von ttz-Mitarbeiterin Dr. Anne Berghoff wurde Judith Hummel im Labor selbst zur Biogasproduzentin.

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Bildunterschrift: Innovative Membrantechntechnologie sorgt dafür, dass die Ethanolausbeute im Bioreaktor besonders hoch ist.

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Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Gesundheit und Beratung.