Wolke sieben schmeckt nicht wie Zuckerwatte

foto:ttz/thies18.05.2009

Stichworte:  Geschmack, Verliebt, Empfinden

Der Wonnemonat Mai lässt nicht nur die Herzen von Müttern und Gartenfreunden höher schlagen, sondern führt auch manches Paar zusammen. Schließlich ist der Monat für Spaziergänge im Sonnenschein und laue Abende im Straßencafe wie gemacht. Wenn der Lenz rosa Brillen verteilt, wirkt sich das auch auf unser Geschmacksempfinden aus. Forscher vom ttz Bremerhaven haben den „Geschmack der Verliebtheit“ untersucht. Der hormonelle Ausnahmezustand sensibilisiert für die Geschmackswahrnehmungen „salzig“ und „sauer“; „süß“ und „bitter“ werden dagegen nur vermindert wahrgenommen, so das Ergebnis. Aber das dürfte die Betroffenen kaum stören. Wenn der Himmel erst mal ein bisschen blauer und die Sonne ein bisschen heller erscheint, ist der Ausgleich für eine geschmackliche Dämpfung beim Biss in die Lieblingsspeise wieder hergestellt. 

Bremerhaven, Mai 2009. „Denken Sie häufig an ihren Partner, wenn sie getrennt sind? Richten Sie die Planung ihrer Woche nach dem Zeitplan des Partner aus?“ Mit Fragen dieser Art haben sich die Forscher des ttz Bremerhaven gemäß der „Passionate Love Scale“, einer international anerkennten Skala für die Ermittlung von Verliebtheit, zum Kern ihrer Untersuchung vorgetastet. Sie wollten wissen, ob die 59 Probanden (43 Frauen und 16 Männer), die einen passenden Wert auf der Verliebtheitsskala erzielten und sich selbst als verliebt bezeichneten, Geschmack anders wahrnehmen als nicht verliebte Probanden. 31 Testpersonen fielen in die Kategorie „Frisch verliebt“, weil sie die geliebte Person weniger als sechs Monate kannten. Die restlichen 28 Teilnehmer befanden sich schon länger in einer glücklichen Beziehung. Der Wert 105 auf der „Passionate Love Scale“ wurde als Grenzmarke für die Einteilung der Gruppen in „sehr verliebt“ und „weniger verliebt“ gewählt.

Deutliche Unterschiede zeigten sich in der Wahrnehmung einzelner Geschmacksrichtungen: Die „sehr verliebten“ Probanden reagierten auf den Bitterreiz auffallend unempfindlich. Auch den Süßreiz erkannten sie erst in höherer Konzentration als die andere Gruppe. Allerdings erkannten sie saure und salzige Geschmäcker besser als die „weniger verliebten“ Probanden. Den Grund dafür sehen die ttz-Wissenschaftler aus dem Sensoriklabor in dem hohen Serotonin- und Oxytocinspiegel im Blut der frisch Verliebten. „Serotonin ist an der Geschmacksausbildung der Eindrücke „süß“ und „sauer“ beteiligt. Je weniger Serotonin die Tester im Blut haben, desto schwächer fällt der geschmackliche Impuls bei der Wahrnehmung dieser Ausprägungen aus. Bei der Übermittlung von sauren und salzigen Geschmackseindrücken läuft eine andere Signalkaskade ab und es sind andere Neurotransmitter beteilig, daher wird die Erkennung dieser Grundgeschmacksarten nicht beeinträchtigt“, erklärt Dr. Mark Lohmann, Biochemiker und Leiter des ttz-Sensoriklabors, die Beobachtungen.

Die Phänomene Appetitlosigkeit und verminderte geschmackliche Wahrnehmung treten auch bei depressiven Patienten auf. Die Gedämpftheit, mit der sie ihre Umgebung wie durch einen Schleier wahrnehmen, wirkt sich auch auf die Nahrungsaufnahme und -bewertung aus. Doch während bei ihnen die Vitalkraft insgesamt nachlässt, fühlen sich die Verliebten in gesteigerter Form lebendig. Dieses Hochgefühl wird durch eine bestimmte Hormonkonzentration im Blut hervorgerufen. Mit der Zeit pendeln sich Serotonin- und Oxytocinwerte dann ganz von selbst wieder ein, die Aufregung klingt ab, der Körper findet zu seinem Normalzustand zurück.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Pressemitteilung: Gänseblümchen war gestern - Heute verraten Hormone und Geschmack die Geheimnisse der Liebe

Terminhinweis: Geschmackstest für Verliebte im Radio

Terminhinweis: Liebe im Radio

 


Pressebilder zur redaktionellen Nutzung (foto: ttz/nils thies)

foto:ttz/thies

Bildunterschrift: Frisch verliebte Paare nehmen die Welt auf ihre eigene Weise wahr. Beim Geschmacksempfinden sorgt die hohe Konzentration bestimmter Hormone für eine verminderte Wahrnehmung von Süß- und Bitternoten.

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