Transparenz statt Skandal

Zukunftsforum 2013 Pause

19.06.2013

Stichworte: III. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft, Lebensmittel, Branchentreff, Zukunftspreis

Zwei Tage Zeit für Lebensmittel – Branchentreff in Hannover

Zehn Vorträge, eine Fachausstellung, ein Zukunftspreis und 220 Teilnehmer – beim III. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft kamen Rang und Namen der Lebensmittelbranche zusammen. Das ttz Bremerhaven, die Martin Braun-Gruppe und The Lifesights Company begrüßten zahlreiche Experten und diskutierten mit ihnen über Trends, Skandale, Verantwortung und Vertrauen.

Bremerhaven, 19. Juni 2013.
Die Lebensmittelbranche braucht ein Umdenken: Nur mit Transparenz gelingt es ihr, sich das Vertrauen der Verbraucher zu verdienen – darin waren sich die Akteure des III. Zukunftsforums Ernährungswirtschaft einig. 220 Führungskräfte nahmen sich am 12. und 13. Juni 2013 „Zeit für Lebensmittel“. Unter diesem Motto stand die Veranstaltung, die das ttz Bremerhaven, die Martin Braun-Gruppe und The Lifesights Company organisierten. Diskussionen und hochkarätige Vorträge von Experten aus den Bereichen Forschung, Recht, Verbraucherschutz, Produktion und Marketing standen im Backforum der Martin Braun-Gruppe in Hannover auf der Agenda.

Als Erster trat Dr. h. c. August Oetker ans Rednerpult. Im Sinne der Nachhaltigkeit plädierte Oetker dafür, als Lebensmittelhersteller Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen zu übernehmen. Nachhaltigkeit sei ein zentraler Begriff, drohe aber zum inhaltslosen Plastikwort zu werden. Oetker sieht Wirtschaft und Unternehmen in der Pflicht. Besonders für Familienunternehmer sei entscheidend, nicht in Quartalsberichten, sondern in Generationen und großen Zusammenhängen zu denken und mit Weitblick zu handeln. Wer als Unternehmer Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetze und alle Prozesse weiterentwickle, spüre einen positiven Effekt auf Kundentreue und Verkauf.

Steht der Branche ein Paradigmenwechsel bevor?

Was ist die Zukunft? Ist die Lebensmittelbranche bereit für einen Paradigmenwechsel? Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven, warf in seinem Vortrag „Der Skandalfall als Normalfall“ viele Fragen auf. Wie ist es möglich, dass mit der Anzahl an Ernährungswissenschaftlern auch das Problem der Adipositas wächst? Das Know-How ist riesig, trotzdem landen zahlreiche Lebensmittel, die zu großen Teilen aus Zucker, Salz und Fett bestehen, in den Supermarktregalen. „Wir wissen immer mehr über Lebensmittel, aber dieses Wissen kommt nicht an“, verweist Mlodzianowski auf den Widerspruch. Mlodzianowski fordert mehr Zeit, Geld und Sorgfalt in die Forschung und Entwicklung und in das Qualitätsmanagement von Lebensmittelprodukten zu investieren.

Prof. Dr. Moritz Hagenmeyer, Partner von Krohn Rechtsanwälte, sprach über den Regulierungswahn in der Lebensmittelbranche. Er ging der Frage nach, was der Unternehmer gegen Überregulierungen tun kann. Sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel sowie „ehrliche Werbung“ sind in seinen Augen der beste Schutz, da viele Regulierungen erst nach echten oder vermeintlichen Skandalen entstehen. „Während des Gesetzgebungsverfahrens kann man versuchen durch Lobbyarbeit, Selbstregulierung und Kampagnen das Schlimmste zu verhindern. Und wenn eine Regulierung einmal da ist, bestehen immer noch die Möglichkeiten des Ausweichens, der kreativen Auslegung und letztlich auch der Klage. Dafür braucht man mutige Unternehmer“, ist Hagenmeyer überzeugt.

Kommunikation statt Krise

Wie geht ein Unternehmen idealerweise mit einer Krise um und wie kann es verhindern, dass ein vermeintlicher Lebensmittelskandal überhaupt entsteht? Über die „Entschleunigung von Krisen“ referierte Prof. Dr. Ulrich Nöhle, Medientrainer und Experte im Interim- und Krisenmanagement. Nöhle kritisierte auf Basis eigener Erfahrung, dass Medien für Auflage und Einschaltquoten nicht immer sachlich sind, sondern skandalisieren, was zu Fehlinformation und zur Verunsicherung der Verbraucher führt. Was kann ein Hersteller tun? Das Zauberwort heißt Kommunikation – auf allen Ebenen. Es liegt an den Herstellern, die Produktionsweise und Lieferkette offenzulegen. Doch auch der Konsument trägt durch sein Einkaufsverhalten Verantwortung.

Nur 15 Prozent der Verbraucher schenken den Angaben über die Bestandteile eines Lebensmittels auf dessen Verpackung Glauben. Den wachsenden Vertrauensverlust thematisierte Verbraucherschützerin Silke Schwartau in ihrem Vortrag „Verbrauchervertrauen am Abgrund – welches Lebensmittel wollen die Kunden?“. Schwartau übte nicht nur Kritik an unsachlichen und negativ zugeschnittenen Beiträgen aus Funk und Fernsehen, sondern auch an der mitunter irrenführenden Produktwerbung für Lebensmittel.

Zu den weiteren Vortragenden zählen Dirk Nuber von AB InBev („Die Digitalisierung des Einkaufs einer internationalen Organisation“), Volker Köhnen, Vorstandsvorsitzender der Food Professionals Köhnen AG („Innovation im Wandel der Zeit“), Lu Ann Williams, Head of Research bei Innova Market Insights, die über aktuelle Trends von Produkten, Technologien und Inhaltsstoffen im Bereich Lebensmittel referierte, die Evolutionsbiologin Dr. Sabine Paul („Das Einmaleins der Evolution für Gaumenkitzel und Innovation – Genuss steckt in den Genen“) sowie Ilka Petersen vom WWF („Palmöl – Fluch oder Segen?“).

Fachausstellung und Zukunftspreis

Die Vortragsreihe mit ihren anschließenden Diskussionen wurde begleitet von einer Fachausstellung, auf der sich 18 Partner präsentierten. Erstmalig wurde zudem der mit 3000 Euro dotierte Zukunftspreis Ernährung „Future Food Concepts“ verliehen. Der Gewinner ist RAPS GmbH Gewürzwerk mit seinem „Gemüse Willy“. Der 2. Zukunftspreis wird auf dem IV. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft vergeben. Gesucht werden Innovationen für die Lebensmittelbranche wie Produkte, Prozesse, Konzepte oder Analysemethoden. Informationen zur Bewerbung: www.zukunftspreis-ernaehrung.de

Die Jurymitglieder und Hauptorganisatoren des III. Zukunftsforums Ernährungswirtschaft Martin Schüring (ttz Bremerhaven), Christian Wiechmann (www.martinbraungruppe.de) und Petra Langen (www.the-lifesights-company.com) zeigen sich mit der Veranstaltung zufrieden: „Das Konzept des Zukunftsforums Ernährungswirtschaft hat sich bewährt, es ist zu einer festen Größe und zum Branchentreff geworden.“ Das IV. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft findet am 14. und 15. Mai 2014 erneut im Backforum der Martin Braun-Gruppe in Hannover statt und steht unter dem Motto „Was ist gesund?“.


Weitere Informationen zum Zukunftsforum Ernährungswirtschaft:

Vorträge und Fotos finden Sie unter www.zukunftsforum-ernaehrung.de
Der Benutzername und das Kennwort können bei Christian Colmer erfragt werden

Pressemitteilung II. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft - Die Zukunft wird gemacht

Programm des III. Zukunftsforums Ernährungswirtschaft

Erster Zukunftspreis "Future Food Concepts"

 


Pressebilder zur redaktionellen Nutzung (foto: ttz /Martin Braun-Gruppe)

Zukunftsforum 2013 Pause

Bildunterschrift:

Die Mittagspause nutzten die Teilnehmer des III. Zukunftsforums Ernährungswirtschaft zur Kontaktpflege.

(© ttz Bremerhaven)

ZF 3 ML Vortrag

Bildunterschrift:

Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven, hielt den Vortrag „Der Skandalfall als Normalfall – mehr Zeit für F&E und QS“.

(© Martin Braun-Gruppe)

ZF 3 Teilnehmer

Bildunterschrift:

Das ttz Bremerhaven, die Martin Braun-Gruppe und The Lifesights Company begrüßten 220 Teilnehmer zum III. Zukunftsforum Ernährungswirtschaft im Backforum der Martin Braun-Gruppe in Hannover.

(© Martin Braun-Gruppe)

Zukunftsforum 2013 ttz Stand

Bildunterschrift:

Die Teilnehmer beurteilten am Stand des ttz Bremerhaven zwei Kekssorten sensorisch und urteilten „was ist natürlich?“

(© ttz Bremerhaven)

 Zukunftsforum 2013 Essen

Bildunterschrift:

Die Köche der Martin Braun-Gruppe boten ihr Können dar.

(© ttz Bremerhaven)

 ZF 3 Preis

Bildunterschrift:

Die Jury (links) überreicht Peter Rathgeb und Doris Hörlesberg (RAPS GmbH Gewürzwerk), den Gewinnern des Zukunftspreis 2013 „Future Food Concepts“, einen Scheck und eine Urkunde für ihren „Gemüse Willy“.

(© Martin Braun-Gruppe)

 Zukunftsforum 2013 Antoniewicz

Bildunterschrift:

Heiko Antoniewicz (mittig) und sein Team verwöhnten die Gäste mit kreativer Pizza.

(© ttz Bremerhaven)


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Das ttz Bremerhaven ist ein unabhängiges Forschungsinstitut und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt und Gesundheit.